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Tempus
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
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Das Tempus (lateinisch âZeitspanne, Zeitâ, Plural Tempora) ist eine grammatische Kategorie, die in vielen Sprachen am Verb markiert wird und dann zur Flexion (Formenbildung, Konjugation) der Verben beiträgt. Ihre Bedeutung ist definiert worden als âder grammatisierte Ausdruck von Lokalisierung in der Zeitâ (Bernard Comrie).cite-ref-1[1]
Als grammatische Kategorie ist das Tempus zu unterscheiden von den Mitteln, die der Wortschatz einer Sprache zur VerfĂźgung stellt, um Ăźber die Zeit und Zeitverhältnisse zu reden, z. B. Zeitadverbien. Auch Sprachen, die kein Tempus im grammatischen Sinn aufweisen (z. B. Chinesisch, Indonesisch), ermĂśglichen in der Regel mit anderen Mitteln Angaben Ăźber dieselben grundlegenden Zeitverhältnisse (sie tun dies aber weit weniger, da nur grammatisches Tempus obligatorisch ist). Die vom Tempus ausgedrĂźckten Zeitbeziehungen werden typischerweise relativ zur aktuellen Sprechsituation verankert; insoweit handelt es sich beim Tempus um eine deiktische Kategorie. Damit gleicht die Bedeutung des Tempus der von Zeitadverbien wie âgesternâ oder âjetztâ (deren Bedeutung vom Sprechzeitpunkt abhängt), im Gegensatz zu absoluten Zeitangaben wie âim Jahr 2000â.
Die Kategorie Tempus besteht aus einem System von Unterkategorien, deren Anzahl je nach Sprache (und auch je nach Beschreibungsansatz) unterschiedlich ausfällt. Die wichtigsten Kategorien beruhen auf der Unterscheidung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Da die Kategorie Tempus der Grammatik angehĂśrt, wogegen es sich bei Vergangenheit oder Zukunft um sprachunabhängige Vorstellungen handelt, ist jeweils gesondert zu fragen, welche Entsprechungen zwischen grammatischer Form und Bedeutung bestehen â zum Beispiel, wie sich die Form Präsens zum Begriff der Gegenwart im Einzelnen verhält.
Tempus ist gegen die Nachbarkategorien Aspekt, Modus und Modalität abzugrenzen; die grammatische Formenbildung und die Interpretation zeigen jedoch Kombinationen, Ăbergänge und Wechselbeziehungen zwischen diesen Kategorien. Diese Zusammenhänge fĂźhren dazu, dass Tempus, Aspekt und Modus, vor allem in der Sprachtypologie, oft auch als eine Ăźbergeordnete Kategorie der Verbflexion zusammengenommen werden (âTAM-â oder âTMA-Systemâ).cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Eine häufig benutzte verkĂźrzte Definition ist, dass das Tempus die Beziehung zwischen der Sprechzeit und der Zeit des vom Verb ausgedrĂźckten Ereignisses angibt â doch bereits dies gilt in sprachwissenschaftlichen Modellen des Tempus nicht direkt, sondern ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Tempus und Aspekt.
Contents
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Tempus als grammatische Kategorie
Grammatische Kategorie und Bedeutung
Viele grammatische Kategorien, so wie Tempus, aber auch Person, Numerus und andere, verbinden Form und Bedeutung; die Bedeutungsseite ist hierbei weniger differenziert als bei Elementen des Wortschatzes (lexikalischen Elementen), sondern mehr schematischer Art. Die Tempusbedeutung wird hier vorläufig verstanden als die Einordnung der Situation, die in einem Satz beschrieben wird, in die Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft relativ zum Sprechzeitpunkt. (Genaueres weiter unten im Abschnitt #Bedeutung des Tempus).
In einer Sprache, die Tempus nicht als grammatische Kategorie besitzt, mĂźssen Begriffe fĂźr Zeitverhältnisse deswegen nicht fehlen, aber Zeitverhältnisse kĂśnnten dann nur durch lexikalische Elemente wie etwa verschiedene Zeitadverbiale (âgestern / dieses Jahrâ etc.) ausgedrĂźckt werden â oder Zeitverhältnisse wären vom HĂśrer nur zu erschlieĂen. Im Sprachvergleich kann die Kategorie Tempus also daran identifiziert werden, dass der genannte Bedeutungstyp jeweils durch grammatische Mittel ausgedrĂźckt wird. Dies ist in erster Linie morphologischer Ausdruck durch Affixe (meist Endungen) am Verb. Eine weitere MĂśglichkeit sind Hilfsverbkonstruktionen; diese kĂśnnen auch gleichwertige Funktion zu morphologischem Ausdruck haben.cite-ref-4[4]
Kennzeichen dafßr, dass Tempus eine grammatische Kategorie ist, auch wenn es sich vielleicht um selbständige WÜrter handelt, sind Produktivität und Obligatorik der Form:cite-ref-5[5] Tempusmarkierung ist vollständig produktiv, betrifft also alle Verben einer Sprache, sie hängt nicht von einzelnen Verbklassen oder Verbbedeutungen ab (das Aussehen der Tempusmarkierung kann sich aber je nach Verbklasse unterscheiden). Wenn eine Sprache Tempusflexion an Verben hat, dann ist es auch obligatorisch, ein Verb fßr eine Tempusform zu kennzeichnen, auch dann, wenn eine Zeitangabe schon unabhängig vorliegt:
⢠âWir sind doch erst gestern einkaufen gewesen.â
In Sprachen wie dem Deutschen, die finite und infinite Verbformen unterscheiden, ist die Tempusflexion Ăźberall dort erforderlich, wo eine finite Verbform erforderlich ist. Gegebenenfalls fungiert die Gegenwarts-Form (Präsens) als neutrale (âunmarkierteâ) Form, z. B. wenn bei allgemeingĂźltigen Sätzen keine besondere zeitliche Einordnung gewĂźnscht ist.
Tempus und die Konjugation des Verbs (âZeitformenâ)
Unter der Konjugation versteht man die Abwandlung einer Verbform je nach ihren grammatischen Merkmalen. Eine Darstellung, die diese Formen nach ihren Merkmalen ordnet, oft in Tabellenform, ergibt das Paradigma eines Verbs. In jeder einzelnen Verbform treffen dann Tempusmerkmale mit anderen Merkmalen zusammen, zum Beispiel:
⢠(du) lob-te-st
lob-(indikativ)-präteritum-2.pers.sg.
In dieser Perspektive geht es wohlgemerkt um Tempus als grammatisches Merkmal (Flexionsmerkmal), die Bedeutung dieser Formen ist getrennt davon zu untersuchen.
Das Lateinische, das die traditionelle Grammatikschreibung stark beeinflusst hat, verfĂźgt Ăźber sehr komplexe Wortformen und damit Paradigmen. Wie in der nachfolgenden Tabelle zu sehen, werden dabei manche Merkmale getrennt angezeigt, häufig liegen aber mehrere Merkmale in einer Endung âaufgehäuftâ (kumuliert) vor (nachfolgend durch Verbindung mit einem Punkt â.â symbolisiert, trennbare Markierungen durch Bindestrich). Der Ausschnitt des lateinischen Verbparadigmas fĂźr die Kategorie Tempus stellt sich wie folgt dar (fĂźr die Formen der 1. Person Singular im Aktiv):
| Zeitform | Indikativ | Konjunktiv |
|---|---|---|
| Präsens | laud-o ...- 1sg | laud-e-m ...- konj.präs-1sg |
| Imperfekt | lauda-ba-m ...- ipf-1sg | lauda-re-m ...- konj.ipf-1sg |
| Futur | lauda-b-o ...- fut-1sg | â |
| Perfekt | laudav-i ...- perf.1sg | laudav-eri-m ...- konj.perf-1sg |
| Plusquamperfekt | laudav-era-m ...- pqpf-1sg | laudav-isse-m ...- konj.pqpf-1sg |
| Futur II (Futur exakt) | laudav-er-o ...- futexc-1sg | â |
Zeitformen des Deutschen werden traditionell oft in direkter Analogie dazu gegliedert (hier fĂźr die dritte Person Singular, zur besseren Unterscheidung Konjunktiv-Indikativ):
| Zeitform | Indikativ | Konjunktiv |
|---|---|---|
| Präsens | lob-t | lob-e |
| Präteritum | lob-te | lob-te / wßrde loben |
| Futur | wird loben | werde loben |
| Perfekt | ha-t gelobt | hab-e gelobt |
| Plusquamperfekt | hat-te gelobt | hät-te gelobt |
| Futur II | wird gelobt haben | werde gelobt haben |
Anstelle der kompakten Wortformen des Lateinischen werden hier also ganze Konstruktionen aus mehreren WĂśrtern als Zeitformen angesetzt (âperiphrastische Konjugationâ), aber weiterhin dieselben 6 Zeitstufen unterschieden. Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt erscheinen so beispielsweise als drei gleichberechtigte Vergangenheitstempora nebeneinander. Diese Darstellung ist die traditionell vorherrschende, vor allem in der Schulgrammatik. In der Sprachwissenschaft ist fĂźr das System des Deutschen jedoch eine Alternative gängig. Denn in den Formen des Hilfsverbs haben lassen sich seinerseits Konjugationsformen fĂźr Präsens, Präteritum, Futur identifizieren: habe, hatte, wird haben. Dies fĂźhrt auf die Auffassung, dass nur diese Wortformen des Hilfsverbs als Zeitformen gelten sollten, in diesem Fall dann als Zeitformen der Perfektkonstruktion.cite-ref-6[6] Man unterscheidet dann stets nur:
| Zeitform (des Vollverbs) | Indikativ | Konjunktiv |
|---|---|---|
| Präsens | lob-t | lob-e |
| Präteritum | lob-te | lob-te |
| Futur | wird loben | werde loben |
| Zeitform (des Perfekts) | Indikativ | Konjunktiv |
|---|---|---|
| Präsens des Perfekts | ha-t gelobt | hab-e gelobt |
| Präteritum des Perfekts | hat-te gelobt | hät-te gelobt |
| Futur des Perfekts | wird gelobt haben | werde gelobt haben |
Im Gegensatz zur ersten Aufstellung erklärt diese zweite Darstellung unmittelbar, warum zwar das âPerfektâ einen Infinitiv hat (gelobt zu haben), das Plusquamperfekt jedoch nicht: Es handelt sich sowieso nie um den Infinitiv einer Zeitform, sondern das Hilfsverb haben wird wie jedes Verb konjugiert, besitzt also auch einen Infinitiv, der aber auĂerhalb der Reihe der finiten Zeitformen steht.
Eine solche zweistufige Betrachtungsweise ist auch schon unter den Grammatikern der Antike erwogen worden. So bezeichnete bereits der lateinische Grammatiker Marcus Terentius Varro die obige Serie laudavi / laudaveram / laudavero als die Gegenwart, Vergangenheit bzw. Zukunft zum âPerfectumâ des Verbs (parallel zur gleichartigen Serie des âInfectumâ, woraus sich dann die Zeiten Präsens, Imperfekt, Futur ergeben).cite-ref-7[7] Diese Einteilung hat aber weniger Einfluss ausgeĂźbt.
Tempus in den Sprachen der Welt
Häufigkeit tempusmarkierender Sprachen
Eine besonders typische Unterscheidung ist die zwischen Gegenwarts- und Vergangenheitstempus; hierbei ist in der Regel die Vergangenheitsform markiert, die Form fßr die Gegenwart unmarkiert. In der Stichprobe des World Atlas of Language Structures (WALS) existiert in der Mehrzahl der Sprachen (nämlich 134 von 222, also etwa 60 %) ein Vergangenheits-Tempus, knapp 40 % der Sprachen zeigen also keine derartige Kategorie.cite-ref-8[8]
Ebenfalls nach der Stichprobe von WALS zeigen im Vergleich etwas weniger Sprachen eine Flexionsform des Futur-Tempus (nämlich knapp die Hälfte: 110 von 222 Sprachen). (Es gilt allerdings als schwierig zu entscheiden, welche Fälle von mehr umschreibenden Techniken des Zukunftsbezuges auch noch unter Tempus zu rechnen wären).cite-ref-9[9]
53 der 222 Sprachen der WALS-Stichprobe haben weder Vergangenheits- noch Futurtempus.cite-ref-10[10]
Tempustragende Wortarten
Tempus wird oft als eine Kategorie des Verbs beschrieben. Es gibt jedoch in geringem Umfang Fälle, bei denen auch andere Wortarten die Tempusmarkierung des Satzes tragen.
Verben, Hilfsverben und verbnahe Partikeln
Der bekannteste und typischste Fall von Tempusmarkierungen sind morphologische Abwandlungen des Verbs, also Wortformen des Verbs im engeren Sinn. Hilfsverben, die nur Tempus bezeichnen, kĂśnnen auch dazu gruppiert werden, insofern als es sich auch um rein grammatische Elemente handelt.
Im Deutschen kommen drei Typen von Tempusmarkierung im Zusammenhang mit Verben vor: Suffixe (Endungen), Stammveränderung (u. a. durch Ablaut) und Hilfsverben. Das Zeichen fßr die Vergangenheit (Präteritum) ist im Deutschen meistens ein Suffix:
(du) lach-te-st
lach-prät-2sg
DimĂł Ä-rĂşBĂł kÄŤ tĂŹĂ
Dimo prät-aufreihen.apass obl Perlen
âDimo reihte Perlen auf.â
Ablaut findet sich im Deutschen bei den sogenannten starken Verben, hier steckt die Vergangenheitsform im Wortstamm und nur die Personalendung erscheint extra:
(du) sprach-st
sprech.prät-2sg
Die Stichprobe von WALS deutet darauf hin, dass es womĂśglich keine Sprachen gibt, die nur Ablaut oder ähnliche Arten der Stammveränderung benutzen.cite-ref-13[13] Auch im Deutschen ist dies nicht die âregelmäĂigeâ Form.
Eine andere Art von ganzheitlicher Abwandlung des Verbs, die dann auch systematisch benutzt wird, ist jedoch die Markierung durch TĂśne in Tonsprachen, oft allerdings zusammen mit Affixen. Ein Beispiel aus der afrikanischen Sprache Suma (Gbaya-Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen):cite-ref-14[14]
fè âsterbenâ (neutrale Form: tiefer Ton)
fĂŠ âsterbeâ (Präsens: hoher Ton)
fÄÄ âstarbâ (Vergangenheit: mittlerer Ton, zusätzliche Endung)
Das Futur des Deutschen wird durch das Hilfsverb âwerdenâ markiert â regulär erscheint dieses allerdings nicht im Infinitiv, wenn es das Futur ausdrĂźckt (ebenso wie andere Tempora an das finite Verb gekoppelt sind):
(du) wirst sprech-en
fut-2sg sprech-inf
Dieser Unterschied zwischen Präteritum und Futur im Deutschen scheint durchaus typisch, d. h. Futur ist im Sprachvergleich häufiger durch Hilfsverbkonstruktionen markiert als Präteritum (die Abgrenzung zwischen Futur und anderen Kategorien ist allerdings auch schwieriger).cite-ref-15[15]
Fßr isolierende Sprachen ist es kennzeichnend, dass grammatische Markierungen sich generell wie eigene WÜrter ausnehmen. Unveränderliche WÜrter, die separat zum Verb ein Tempus bezeichnen, werden dann oft auch als Partikeln bezeichnet, wenn nicht genau feststellbar ist, ob es sich um Hilfsverben handeln kÜnnte. Auch Sprachen anderen Typs kÜnnen Tempus-Partikeln aufweisen, die mit dem Verb zusammen stehen. Ein Beispiel einer Sprache, die sogar das Präsens mit einer eigenen Partikel markiert, ist die papuanische Sprache Loniu:cite-ref-16[16]
yo lÉĘi tÉ ehe
1sg präs stativ hinlegen
âIch lege mich hin.â
Konjunktionen
Im Irischen wurde das Vergangenheitstempus in frßheren Sprachstufen durch eine Partikel vor dem Verb markiert. Im heutigen Irisch erscheint sie nur noch vor Vokal, ansonsten ändert nur das Verb seine Form. Bei Sätzen in der Vergangenheit drßckt jedoch auch eine nebensatzeinleitende Konjunktion die Tempusunterscheidung aus. Konjunktionen markieren nur Vergangenheitstempus, anders als das irische Verb haben sie keine Futurform.cite-ref-17[17]
⢠Die Konjunktion go âdassâ leitet Nebensätze ein, die im Präsens oder, wie hier, im Futur stehen:
Deir sĂŠ go dtĂłg-faidh sĂŠ an peann.
sagen.präs er dass nehmen-fut er def Stift
âEr sagt, dass er den Stift nehmen wird.â
Diese Konjunktion erscheint im Präteritum in der Form gur:
Deir sĂŠ gur thĂłg sĂŠ an peann.
sagen.präs er dass-prät nehmen.prät er def Stift
âEr sagt, dass er den Stift genommen hat.â
⢠Ebenso erscheint z. B. die Konjunktion mara âwenn...nichtâ im Präteritum in den Formen murar / marar:cite-ref-18[18]
Murar chaill sĂ ĂŠ, ghoid sĂŠ ĂŠ.
wenn.nicht-prät verlieren.prät sie 3sg.m.obj stehlen.prät er 3sg.m.obj
âWenn sie es nicht verloren hat, dann hat er es gestohlen.â
Nominale Wortarten
Ein Phänomen, das zwar selten ist, aber in mehreren Sprachen unabhängig gefunden wurde, ist Tempusmarkierung an Subjektpronomen, Substantiva oder Artikeln.
Das folgende Beispiel fĂźr ein tempusmarkiertes Pronomen stammt aus der afrikanischen Sprache Yag-Dii (Niger-Kongo-Sprachen):cite-ref-19[19]
YÉghĂł mĂĹ lúú sĘ'Ę.
morgen 1sg.fut weggehen perf
âMorgen werde ich weggehen.â
Die Form â1sg.futâ ist also ein Pronomen der ersten Person in einer speziellen Form fĂźr Sätze im Futur. Solche Beispiele erinnern oberflächlich an Konstruktionen des Englischen, in denen eine Futurmarkierung sich an ein Subjektpronomen anlehnt; in diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um eine Tempusflexion des Pronomens, sondern nur um eine lautlich reduzierte Form des Futur-Hilfsverbs, die sich an das Subjekt dementsprechend nur lautlich anlehnt (ein Klitikon):
⢠I'll be alright. / It'll be alright / There'll be no problem / John'll be alright.
Ein Beispiel fĂźr ein Tempusaffix (kein Klitikon) an einem Substantiv im Satz findet sich in der sĂźdamerikanischen Sprache SirionĂł (TupĂ-GuaranĂ-Sprachen):cite-ref-20[20]
Ăsi-ke Ăłso ùå iĂ-ra.
Frau-prät gehen nahe Wasser-loc
âDie Frau ging ans Wasser.â
Hierbei ist zu beachten, dass die Bedeutung dieser Tempusformen tatsächlich in der zeitlichen Einordnung der Satzbedeutung besteht, wie bei verbalen Tempusmarkierungen (ansonsten kĂśnnte man sich vorstellen, dass eine Vergangenheitsform am Substantiv die zeitliche Einordnung einer Eigenschaft der Person angibt, wie âseine frĂźhere Ehefrauâ; diese Bedeutung liegt hier nicht vor). Gerade weil das Tempus sich auf den Satz als ganzen bezieht, wird es im Prinzip mĂśglich, es an verschiedenen WĂśrtern des Satzes anzubringen. (Auch wenn die obigen Beispiele als exotischer Fall erscheinen, ist auf die Analogie hinzuweisen, dass im Deutschen zwar nicht das Tempus, aber die Verneinung des Satzes an einem Artikel markiert werden kann: âMan muss kein Auto habenâ = âEs ist nicht so, dass man ein Auto haben muss.â)
Unterteilungen im Tempussystem
Das Tempus einer Sprache kann aus einer unterschiedlichen Anzahl von Unterkategorien bestehen. Wie bereits in einem frĂźheren Abschnitt anhand des Deutschen zu sehen war, kann manchmal â etwa fĂźr das deutsche Perfekt âhat gelobtâ â die Frage entstehen, ob es sich um eine eigene Tempus-Form handelt oder um eine Form, die ein Tempus selbst nur trägt (also hier: âhabenâ mit einer Präsensform). Letzterer Fall wird dann oft als ein Aspekt bezeichnet statt als ein Tempus. Viele andere traditionell aufgefĂźhrte âZeitenâ wie Imperfekt und Plusquamperfekt fallen ebenfalls unter die Rubrik des Aspekts oder sind zumindest temporale Unterkategorien, die durch Kombination mit einem Aspekt entstehen. â Siehe hierfĂźr weiter unten den Abschnitt zur Kombination von Tempus und Aspekt.
Es gibt andere Formen einer Unterteilung des Tempussystems, die eindeutig nur Tempus-Kategorien betreffen, nämlich Unterscheidungen nach der zeitlichen Distanz. Einfachere Tempussysteme unterscheiden keine Distanz: In einem dreiteiligen System mit Vergangenheit â Gegenwart â Zukunft ist es fĂźr die Wahl der Form egal, wie weit in der Vergangenheit eine Situation angesiedelt ist. Es gibt aber Sprachen, die feinere Unterteilungen je nach zeitlicher Distanz vornehmen. In der Stichprobe des WALS sind dies etwa 20 % der Sprachen.cite-ref-21[21] Solche Unterteilungen kĂśnnen im Prinzip den Bereich der Vergangenheit und den der Zukunft betreffen, sind fĂźr die Vergangenheit aber häufiger.cite-ref-22[22]
⢠Limatam aywarquu
âIch bin nach Lima gefahren (heute).âcite-ref-25[25]
⢠Limatam aywarqaa
âIch bin nach Lima gefahren (gestern oder noch frĂźher).â
Mehr Unterscheidungen sind mĂśglich. AuĂergewĂśhnlich reich ist das System in der peruanischen Indianersprache Yagua, wo fĂźnf Stufen der Vergangenheit durch Verbformen unterschieden werden: 1. heute, 2. gestern, 3. hĂśchstens vor einem Monat, 4. hĂśchstens vor einem Jahr, 5. vor etlichen Jahren oder in legendenhafter Zeit.cite-ref-26[26]
Zeitliche Distanzunterscheidungen kÜnnen mehr objektiver oder mehr subjektiver Natur sein. In Sprachen mit einem strikten, objektiven System kÜnnen mit einer Verbform nur solche Zeitadverbiale gebraucht werden, die dem zeitlichen Rahmen der Tempusbedeutung genau entsprechen. Daneben gibt es auch Systeme, die unscharf zwischen naher und ferner Vergangenheit unterscheiden, je nachdem, ob der Sprecher eine subjektive Empfindung von Nähe oder Ferne der Situation ausdrßcken mÜchte. In solch einem Fall kÜnnen mit jeder der Tempusformen beliebige Zeitadverbiale mit genaueren Zeitangaben verbunden werden.cite-ref-27[27]
Bedeutung des Tempus
Zum Verhältnis zwischen Zeitform und Tempusbedeutung
Die morphologische Einteilung der (Verb-)Formen und die Kategorien der zeitlichen Interpretation kĂśnnen in verschiedenen Weisen auseinanderlaufen. Daher ist zwischen dem Tempus als grammatischer Form und als Bedeutung zu unterscheiden. Die Dudengrammatik empfiehlt, die aus der lateinischen Grammatik Ăźbernommenen Bezeichnungen im Deutschen nur âals reine Namen (zu) verstehenâ, noch nicht als Einteilung der Funktionen.cite-ref-28[28]
So wird im Deutschen die Zukunft tatsächlich mehr durch die grammatische Form des Präsens als durch die grammatische Form des Futur I ausgedrßckt; gleichwohl gilt das Präsens prototypisch als Gegenwarts- und das Futur I als Zukunftsform. Darßber hinaus wird auch die Zeit in Erzähltexten in verschiedener Hinsicht anders ausgedrßckt als im normalen Tempusgebrauch, zum Beispiel kann dann ein Präsens in einer Erzählung ßber die Vergangenheit erscheinen (historisches Präsens). Gewisse Verwendungen einzelner Tempora kÜnnen auch Bedeutungen ohne Zeitbezug haben (siehe unter dem Stichwort Atemporalität).
Die nachfolgende Darstellung der temporalen Bedeutung bezieht sich also zunächst auf die âtypischenâ Verwendungen. FĂźr Besonderheiten im Gebrauch von Zeitformen siehe die Spezialartikel zu Präteritum, Präsens, Futur.
Grundlagen: Situationszeit und Betrachtzeit
Die Existenz von Tempusformen wie Präteritum, Präsens oder Futur hat damit zu tun, dass eine Situation, die in einem Satz beschrieben wird, in der Vergangenheit, Gegenwart bzw. Zukunft eingeordnet werden kann. Zunächst wird fĂźr diese Einordnung ein Bezugspunkt in der Zeit benĂśtigt, relativ zu dem etwas vergangen, gegenwärtig oder zukĂźnftig ist. Die direkteste MĂśglichkeit ist, diese Einteilung an dem Zeitpunkt auszurichten, an dem die Aussage geäuĂert wird (im Folgenden âSprechzeitâ). Dann ergibt sich ein Fall von Deixis, also Abhängigkeit einer sprachlichen Bedeutung von der aktuellen ĂuĂerungssituation. Die Bedeutung der normalen Tempusformen ist meist deiktisch. Es gibt aber auch den Fall, dass mit sprachlichen Mitteln ein anderer Bezugspunkt in der Zeit eingefĂźhrt wird, dies wird dann als ein Relativtempus bezeichnet; siehe hierzu den eigenen Abschnitt weiter unten.
Es ist zwar letztlich so, dass in einem Satz eine Einordnung von Ereignissen und anderen Situationen in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft stattfindet, doch die Rolle des grammatischen Tempus im Satz ist nur eine Komponente hiervon. Das Tempus selbst redet nicht Ăźber Ereignisse, sondern nur Ăźber Zeiten. Da der Zusammenhang zwischen Tempus und Situation somit indirekt ist, benĂśtigen sprachwissenschaftliche Modelle fĂźr temporale Aussagen nicht nur die bisher genannten zwei Parameter Sprechzeit und Situation, sondern drei Parameter:
1. Sprechzeit: die deiktische Verankerung der Zeitverhältnisse.
2. Situationszeit: die zeitliche Lage der beschriebenen Situation (Ereignisse, Zustände oder andere Sachverhalte).
3. Betrachtzeit: die Zeit, auf die sich das Tempus bezieht = die Zeit, Ăźber die gesprochen wird.
Die klassische Arbeit, in der der dritte Parameter eingefĂźhrt wird, stammt von Hans Reichenbach (1947)cite-ref-29[29] (dort heiĂt er âreference timeâ, Referenzzeit; die Bezeichnung âBetrachtzeitâ stammt von Bäuerle 1979cite-ref-30[30]). Die Darstellung dieses Abschnitts orientiert sich Ăźberwiegend an der jĂźngeren Version dieser Idee in Klein (1994). Dort wird die Betrachtzeit âTopik-Zeitâ genannt, da sie sich wie ein grammatisches Topik verhält (also eine im Kontext gegebene Information).
Die Unterscheidung zwischen Situationszeit und Betrachtzeit ist also wesentlichcite-ref-31[31] fßr die Definition dessen, was die Tempusbedeutung innerhalb des Satzes beiträgt, und was sie im Vergleich zu benachbarten Kategorien leistet:
Tempus
Tempus bezeichnet das Verhältnis zwischen Sprechzeit und Betrachtzeit: Vergangenheitstempus: Es wird eine Zeit betrachtet, die frßher als die Sprechzeit liegt. Gegenwartstempus: Es wird eine Zeit betrachtet, die sich mit der Sprechzeit ßberschneidet. Zukunftstempus: Es wird eine Zeit betrachtet, die später als die Sprechzeit liegt.
Aspekt
Aspekt bezeichnet das Verhältnis zwischen Betrachtzeit und Situation:cite-ref-32[32] Unvollendeter Aspekt: Die Betrachtzeit fällt auf ein Intervall innerhalb der laufenden Situationszeit. Vollendeter Aspekt: Die Betrachtzeit enthält die gesamte Situationszeit. (Je nach Theorie kann auch ein Relativtempus wie Perfekt und Prospektiv hier eingeordnet werden, siehe unten im Abschnitt #Die Abgrenzung zwischen Tempus, Aspekt und Relativtempus).
Die genannten âZeitenâ sind stets als Zeitintervalle zu verstehen. Dies ist parallel dazu, dass auch die meisten Ereignisse eine Laufzeit haben, die eine gewisse Ausdehnung besitzt. Es wird zwar anerkannt, dass es auch punktuelle Situationen gibt, aber ein Zeitpunkt wird dann als der Grenzfall eines Intervalls erfasst, nämlich ein Intervall, das nicht unterteilt werden kann.cite-ref-33[33]
Die entscheidende Beobachtung, die zu einem solchen dreigliedrigen Modell der temporalen Bedeutung fĂźhrt, besteht darin, dass im Gebrauch der Tempusformen eine kontextuell gegebene âin Rede stehende Zeitâ im Mittelpunkt steht, die sich mit der zeitlichen Lage der betreffenden Situation nicht decken muss. Dies fällt unter anderem dann auf, wenn es um Zustände geht, die sehr lange anhalten.cite-ref-34[34]
⢠âMan fand John in der Badewanne. Er war tot.â
Die Situationszeit des Zustands âJohn ist totâ dauert mit Sicherheit bis in die Gegenwart an. Dies spielt fĂźr die Wahl des Tempus aber keine Rolle, denn betrachtet wird eine vergangene Zeit, zu der zunächst John entdeckt wird, und zu dieser Zeit trifft das Totsein auch zu. Die Betrachtzeit liegt also innerhalb der Situationszeit von âtotâ und dieser Ausschnitt liegt vollständig vor der Sprechzeit, nur letzteres ist entscheidend fĂźr die Tempuswahl. Die Betrachtzeit deckt sich auĂerdem mit der Situationszeit des Auffindens. Eine derartige Deckungsgleichheit mit der Zeit eines Ereignisses ist mĂśglich, aber eben nicht die einzige MĂśglichkeit.
Ein berßhmtes Beispiel von Partee (1973)cite-ref-35[35] illustriert den Punkt auf andere Weise (um die Behandlung des deutschen Perfekts zu umgehen, orientiere man sich am Präteritum des englischen Originals):
⢠âI didnât turn off the stove!â (Dt.: âIch habe den Herd nicht ausgemacht!â)
Dieser englische Satz muss so gedeutet werden, dass dem Sprecher ein vergangener Zeitpunkt vor Augen tritt, an dem der Herd hätte ausgemacht werden mĂźssen, aber nicht ausgemacht wurde. Die Verneinung in der Aussage bezieht sich nicht global auf âdie Vergangenheitâ (etwa: âIn der Vergangenheit gab es (Ăźberhaupt) keine Situation des Ausschaltensâ, dies wäre zu stark), sondern es wird ein bestimmter Zeitpunkt der Betrachtung angesetzt, der im ĂuĂerungskontext als einziger relevant ist.
SchlieĂlich ist deutlich, dass Erscheinungen wie das Plusquamperfekt einen dritten Parameter erfordern: Diese Form bezeichnet eine Situation, die in einer âVor-Vergangenheitâ liegt. Auf die Frage, vor was diese liegt, ergibt sich die Antwort, dass dieser Bezugspunkt eine eigenständige Betrachtzeit sein muss, die ihrerseits in der Vergangenheit liegt:
⢠âAls ich zur Party kam / Um neun Uhr
... war Maria schon gegangen.â
Die Betrachtzeit wird durch die anwesenden Zeitadverbiale gesetzt (u. a. der Temporalsatz âals ich kamâ mit Präteritum), somit liegt die betrachtete Zeit irgendwo in der Vergangenheit. Diese betrachtete Zeit ist aber nicht die, zu der das beschriebene Ereignis abläuft (Marias Weggang), sondern das Ereignis liegt in einer noch frĂźheren Vergangenheit.
Die alternativen Zeitadverbiale des obigen Beispiels zeigen auĂerdem, dass die Betrachtzeit nicht immer der Zeit eines anderen Ereignisses entsprechen muss (hier: âals ich kamâ), sondern auch rein zeitlicher Natur sein kann, wie etwa eine Uhrzeitangabe (âneun Uhrâ). Hieran zeigt sich, dass Zeiten als eigene Gegenstände aufzufassen sind, Ăźber die geredet wird.cite-ref-36[36] â Mehr zu dieser Art von Konstruktion findet sich unten im Abschnitt Ăźber das Relativtempus.
Progression der Betrachtzeit im Text
Wenn ein Text eine Abfolge von Ereignissen berichtet, muss die Betrachtzeit schrittweise mitgefĂźhrt werden, es ergibt sich also eine Progression, ein Voranschreiten, der Betrachtzeit in Texten, die Handlungsabläufe darstellen. Die Leser/HĂśrer eines Textes mĂźssen erschlieĂen kĂśnnen, welche Zeiten als dieselben und welche Zeiten als nacheinander zu identifizieren sind. Eine Faustregel (mit Ausnahmen) ist hierbei, dass die Nennung eines Zustands an die bisher bestehende Betrachtzeit angeschlossen wird, dass aber die Nennung eines (abgeschlossenen) neuen Ereignisses die Betrachtzeit im Text einen Schritt vorrĂźckt (nachfolgend symbolisiert durch t1, t2 etc.):cite-ref-37[37]
⢠(t1): Ich blickte in das Zimmer.
⢠(t1): Ein Mann lag reglos auf dem Boden.
⢠(t1): Er schien Japaner oder Chinese zu sein.
⢠(t1): Eine Frau stand ßber ihn gebeugt.
⢠(t1): Sie versuchte gerade, die GeldbÜrse des Mannes aus seiner Tasche zu bekommen.
⢠(t2): Sie bemerkte mich,
⢠(t3): und drehte sich zu mir um...
(t1 < t2 < t3; alle vor der Sprechzeit, daher Präteritum.) Die Beibehaltung von t1 in den ersten Sätzen ist genau der Effekt, der diese Zeit als ein Topik (eingefĂźhrter Redegegenstand) erscheinen lässt, parallel zu âein Mannâ, der auch ein eingefĂźhrtes Individuum ist, auf das man sich wiederholt bezieht.
Die Analyse der Zeitbeziehungen in Texten lässt sich allerdings nicht vollständig auf der Ebene des Tempus darstellen, entscheidend wird hierfĂźr die Komponente des Aspekts. Dies zeigt sich bereits in der Formulierung âSie versuchte gerade...â, die ein unabgeschlossenes Ereignis (im Progressiv) beschreibt, im Gegensatz zu âSie bemerkte michâ.
Abhängiges Tempus
In Nebensätzen kĂśnnen sich Interpretationen ergeben, in denen Tempusformen nicht ihre sonst anzutreffende, deiktische Bedeutung haben. Die grammatischen Regeln solcher Fälle werden auch als Consecutio temporum, deutsch âZeitenfolgeâ, bezeichnet. Diese Regeln zur Verwendung der Tempusformen in abhängigen Sätzen unterscheiden sich dabei von Sprache zu Sprache.
Das Phänomen zeigt sich zum Beispiel an Unterschieden zwischen Deutsch und Englisch in Nebensätzen nach Verben des Sagens oder der Einstellung:
⢠a) John said that Mary was pregnant.
⢠b) John said that Mary is pregnant.
⢠b') Hans sagte, dass Maria schwanger ist.
Wenn die Schwangerschaft zu derselben vergangenen Zeit besteht, zu der Johns Aussage gemacht wurde, wird im Englischen a) benutzt. Die Interpretation des Präteritums im Nebensatz richtet sich nach der Betrachtzeit des Hauptsatzes.cite-ref-38[38] Im Deutschen ist jedoch hierfĂźr unter anderem auch b') im Präsens mĂśglich (im Russischen wäre ein Präsens sogar die einzige MĂśglichkeitcite-ref-39[39]). Dessen englische Entsprechung b) ist hingegen eingeschränkter: Sie erfordert, dass die Schwangerschaft auch zur Sprechzeit des Satzes noch besteht â das Präsens in b) ist also deiktisch. Das deutsche Präsens in b') kann jedoch statt deiktischer Gegenwart die bloĂe Gleichzeitigkeit mit der Betrachtzeit von âsagteâ bezeichnen. (Abgesehen davon kann im Deutschen der Bezug auf die reale Gegenwart ausgeschlossen werden, indem Konjunktiv verwendet wird).cite-ref-40[40]
Die Abgrenzung zwischen Tempus, Aspekt und Relativtempus
Die grammatischen Kategorien Aspekt und Tempus sind sehr stark ineinander verwoben. Dies fĂźhrt zu Abgrenzungsproblemen und zu Fragen, welche Zeitformen Ăźberhaupt als âTempusâ bezeichnet werden sollten. Ein besonders schwieriger Fall ist hierbei das Perfekt. Sprachwissenschaftliche Analysen unterscheiden sich auch darin, in welche Komponenten solche komplexen Formen zerlegt werden.
Tempus und (im-/)perfektiver Aspekt
Die Unterscheidung zwischen Tempus und Aspekt ist relativ klar, solange es sich um die typischen Aspektkategorien âvollendet / unvollendetâ (perfektiv / imperfektiv) handelt. Nach der oben gegebenen Definition betrachtet das Tempus eine bestimmte Zeit, der Aspekt gibt die Lage der Situation relativ zu dieser Betrachtzeit an. Der imperfektive Aspekt zeichnet sich dann dadurch aus, dass er die Situation nicht vollständig enthält bzw. betrachtet. Im Englischen hat die Verlaufsform die Funktion eines imperfektiven Aspekts, hier sieht man die Trennung zwischen Aspekt und Tempus deutlich: Die Verlaufsform entspricht der Kombination zwischen Hilfsverb âseinâ als solchem (hier: aux) und einer âPartizipâ-Form des Hauptverbs; das Tempus der Vergangenheit (prät) entspricht einem Merkmal an der finiten Form des Hilfsverbs:cite-ref-41[41]
They were playing ball.
3pl aux.prät.3pl spielen-part Ball.
âSie waren beim Ballspielen.â
Im FranzĂśsischen kann die Konjugationsform des Imparfait (ipf, Imperfekt) dieselbe Bedeutung ausdrĂźcken:
Ils jouai-ent aux balles.
3pl spielen.ipf-3pl an.def.pl Ball-pl.
âSie waren beim Ballspielen.â
Das Imparfait kĂśnnte hierbei auch als präteritum.imperfektiv wiedergegeben werden, die Form kombiniert demnach zwei verschiedene Merkmale. Derartige Formen werden dennoch häufig salopp als âZeitenâ â im Sinne von âZeitformâ â bezeichnet (auch im Englischen, wo die Verlaufsform gelegentlich continuous tense genannt wird).
In solchen Fällen sind also Wechselbeziehungen zwischen Tempus und Aspekt als zwei verschiedenen Kategorien zu beschreiben, d. h. in diesem Fall in Kombination. Zu beobachten sind auch Unvereinbarkeiten: Beispielsweise kann in den meisten Interpretationen ein vollständiges Ereignis (perfektiver Aspekt) nicht auf die Gegenwart bezogen werden (vielleicht, weil das Jetzt relativ punktuell ist). In vielen Sprachen, die Tempus nicht eigens bezeichnen, weicht die Interpretation einer perfektiven Form daher auf einen Vergangenheitsbezug oder auf einen Zukunftsbezug aus. Die Tempusbedeutung wäre dann also eine erschlossene oder konventionelle Bedeutung, die weiterhin vom Aspekt trennbar ist.
Relativtempus als Tempus oder Aspekt
Das Phänomen des Relativtempus bildet einen Ăbergangsbereich zwischen Tempus und Aspekt und ist unterschiedlich analysiert worden. Zunächst ist allerdings der Begriff des Relativtempus auch mehrdeutig:cite-ref-42[42]
1. In manchen Arbeiten wird jede Art von Angabe einer zeitlichen Relation als âRelativtempusâ bezeichnet, auch die Bedeutung von Partizipien in der Angabe von relativer Vorzeitigkeit oder Gleichzeitigkeit.cite-ref-43[43] Partizipien sind jedoch nicht finit, teilweise sogar der Kategorie nach Adjektive, und haben keinen deiktischen Bezug. In anderen Quellen erscheinen solche Konstruktionen daher nicht unter der Rubrik (Relativ-)Tempus, und es wird enger definiert: âTempus bezeichnet deiktische Zeitrelationen.âcite-ref-44[44]
2. Abhängiges Tempus in Konstruktionen, die speziellen Regeln der Zeitenfolge / Consecutio temporum unterliegen, wird manchmal als Relativtempus bezeichnet, dies bezieht sich dann auf die Bedeutung als relative Nachzeitigkeit, Gleichzeitigkeit etc. zum Haupttempus. Hier liegt aber keine speziell ârelativeâ Verbform vor.
3. Relativtempus im engen Sinn sind spezielle Verbformen, die eine Situation nicht deiktisch, sondern an einer anderweitig gegebenen Zeit verankern, und dann selbst nochmals deiktisch verankert werden kĂśnnen.
Der dritte Typ, um den es im Folgenden genauer geht, fĂźhrt zu unterschiedlichen Analysen. In einer Deutungcite-ref-45[45] wird er direkt als Aspekt eingestuft, gestĂźtzt auf die Definition, dass Aspekt eine Beziehung zwischen Situationszeit und Betrachtzeit ist. Neben perfektiv/imperfektiv werden dann auch Abfolgen hinzugenommen:cite-ref-46[46]
⢠Imperfektiv = Betrachtzeit innerhalb Situationszeit
⢠Perfektiv = Betrachtzeit umfasst ganze Situationszeit
⢠Relative Vergangenheit = Perfekt = Betrachtzeit vollständig nach Situationszeit
⢠Relative Zukunft = Prospektiv = Betrachtzeit vollständig vor Situationszeit
Ein Beispiel fĂźr relative Vergangenheit ist das Plusquamperfekt, wie in dem Satz âUm 9 Uhr, als ich zur Party kam, war Maria schon gegangenâ. Marias Weggang liegt hier auĂerhalb der Betrachtzeit (fixiert durch die Zeitadverbiale) und weiter in der Vergangenheit. Daher ist von der Betrachtzeit aus ein RĂźckgriff nĂśtig, der sich auf die Zeit einer Situation richtet. Dieser RĂźckgriff kann nun als eine zusätzliche Komponente analysiert werden, die der Kategorie Aspekt angehĂśrt, aufgrund der parallelen Formulierungen in der obigen Liste. Das Tempus des Plusquamperfekts (Hilfsverb âwarâ) ist also Präteritum, sein Aspekt ist ein âPerfektâ (im Sinne von âRĂźckgriffâ). Dieses Modell der Relativtempora wird z. B. von Klein (1994) vertreten.cite-ref-47[47] Es ist parallel zu den Verhältnissen gebaut, die schon in einem frĂźheren Abschnitt zur grammatischen Zerlegung der Perfekt-Formen besprochen wurden.
Ein Prospektiv ist der spiegelbildliche Fall hierzu, z. B. die englische Konstruktion âHe is / was going to play.â Die Hilfsverbkonstruktion âbe going toâ leistet den Zugriff auf eine kĂźnftige Situation; diese Konstruktion kann dann durch ein Tempus im Ganzen an unterschiedlichen Betrachtzeiten verankert werden. (FĂźr weitere Beispieldiskussion siehe den verlinkten Artikel).
Diese Analyse setzt also eine Trennbarkeit zwischen Tempus und Aspekt als wesentlich an und benutzt zur Verankerung der Relativtempora direkt die unabhängig erforderliche Betrachtzeit. Andere Darstellungen von âRelativtemporaâ neigen zu einem holistischeren Ansatz und stellen sie als Zeitformen in eine Reihe neben dem deiktischen Tempus. Entsprechend ist bei ihrer Verankerung oftmals von einer speziellen âOrientierungszeitâ die Rede, die eher als eine Verschiebung der Sprechzeit dargestellt wird oder als ein Begriff, der die Bezugszeit fĂźr diesen Typ auf andere Weise verschiebt.cite-ref-48[48] Es stellt sich also die Frage, ob die Bezugszeit der Relativtempora tatsächlich in den Systemen aller Sprachen als die âTopik-Zeitâ des Kontexts identifiziert werden kann.cite-ref-49[49]
Einigkeit besteht vielfach darin, dass im Bereich des Perfekts Phänomene mit einer Sonderrolle auftreten dĂźrften. Zunächst kĂśnnte das Perfekt durchgängig als ein Relativtempus beschrieben werden, das einen zeitlichen RĂźckgriff ausdrĂźckt und sich als ganzes an einer Betrachtzeit festmachen lässt, als Perfekt im Präsens, im Präteritum (= Plusquamperfekt) und im Futur (= Futur II / Futur exakt). Alle weiteren Phänomene in der Interpretation des Perfekts sollten sich dann als pragmatische Schlussfolgerungen im Kontext ergeben.cite-ref-50[50] Andererseits wird eingeräumt, dass das Präsens-Perfekt von diesem regelmäĂigen Bild Ăśfters abzuweichen scheint, dass also eine Analyse als einfaches Relativtempus fĂźr Plusquamperfekt und Futur II plausibler ist als fĂźr das Präsensperfekt.cite-ref-51[51] Die mit letzterem teilweise verbundenen Spezialbedeutungen wie âerweitertes Jetztâ, âexistenzielles Perfektâ etc. werden von vielen Autoren als Grund genommen, es den anderen Tempora als selbständige Kategorie gegenĂźberzustellen.cite-ref-52[52] Speziell fĂźr das deutsche Perfekt ist zu sagen, dass es vermutlich eine Zwischenstellung zwischen Aspekt und Tempus einnimmt bzw. sich in einer Entwicklung von einer aspektuellen hin zu einer Tempusbedeutung befindet.cite-ref-53[53] Siehe hierzu die Hauptartikel zum Perfekt und Perfekt im Deutschen.
Tempus, Modus und Modalität
Unter Modalität versteht man eine inhaltliche Kategorie, die vor allem Begriffe von MÜglichkeit und Notwendigkeit umfasst. Der Modus ist dagegen eine grammatische Kategorie; sie kann inhaltliche Interpretationen haben, die Begriffe der Modalität erfordern.
Wechselbeziehungen zwischen Tempus und Modalität kĂśnnen darin bestehen, dass eine Tempuskategorie modale Nebenbedeutungen aufweist oder von Modalität nur unscharf abgegrenzt werden kann, oder dass umgekehrt eine Moduskategorie Interpretationen aufweist, die temporale Bedeutungen einschlieĂen.
In beiden Fällen ist es das Futurtempus, das die grĂśĂte Nähe zur Modalität besitzt. Bei Aussagen Ăźber die Zukunft gibt es eine Diskussion, ob sie nicht â im Gegensatz zur Vergangenheit â generell ein Element von Modalität haben mĂźssen, da die Zukunft unbekannt ist. Es wird aber auch argumentiert, dass es eine rein temporale Interpretation des Futurs geben mĂźsse, zum Beispiel in reinen Voraussagen, die anders als modale Aussagen keinen Bezug auf Alternativen andeuten.cite-ref-54[54] Es scheint auch mĂśglich, dass sich manche modalen (Neben-)Bedeutungen erst nachträglich aus der Bedeutung eines Futurtempus entwickelncite-ref-55[55] (etwa die Bedeutung einer gegenwärtigen Vermutung âEs wird (wohl) so seinâ aus einer Futurbedeutung âEs wird sich herausstellen, dass es so istâcite-ref-56[56]).
Futur mit modalen Nebenbedeutungen
â
Hauptartikel
:
Futur
Futurtempus wird Ăśfters mit Hilfsverben markiert, und diese entstehen typischerweise durch Grammatikalisierung aus einer bestimmten Gruppe von Verbbedeutungen:cite-ref-57[57]
⢠Bewegungsverben, die ursprßnglich eine zukßnftige Zeit als metaphorisches Ziel einer Bewegung, bzw. dann Veränderung, einfßhren,
⢠Modalverben oder modale Konstruktionen, die ursprßnglich (a) Absicht oder (b) Verpflichtung bezeichnen.
Dementsprechend kann eine ursprĂźngliche modale Bedeutung weiterhin in einer Futurmarkierung eine Rolle spielen. Beispielsweise gibt es im Englischen die Wahl zwischen den Hilfsverben will und shall; hierbei wird shall (etymologisch verwandt mit dt. âsollenâ) benutzt, wenn es um eine zukĂźnftige Verpflichtung geht (z. B. in Verträgen). Dass will (verwandt mit dt. âwollenâ) eine Nebenbedeutung von Absicht haben kann, zeigt sich u. a. daran, dass es nicht in Fragesätzen der ersten Person benutzt wird; als Erklärung hierfĂźr wird genannt, dass sonst der widersinnige Sachverhalt angedeutet wĂźrde, dass der Sprecher seine eigenen Absichten erfragt: Shall (??will) I pick you up at seven?cite-ref-58[58]
Zukunft und Irrealis
â
Hauptartikel
:
Irrealis
Manche Sprachen unterscheiden ihre Verbformen vor allem entlang den Modi Realis und Irrealis. Hierbei ist der Realis eine âWirklichkeitsformâ und der Irrealis deckt die Ăźbrigen BezĂźge ab, die dadurch allesamt als ânichtwirklichâ eingestuft werden. In solchen Sprachen wird der Bezug auf ZukĂźnftiges regelmäĂig dem Irrealis zugeordnet. Von einem Irrealis ist jedoch sinnvollerweise nur dann die Rede, wenn zusätzlich andere Interpretationen eingeschlossen werden, nämlich vor allem wenn Zukunft und kontrafaktische Aussagen zusammengefasst werden.cite-ref-59[59] (Eine kontrafaktische Aussage bezieht sich auf vorgestellte Alternativen zur tatsächlich bekannten Vergangenheit oder Gegenwart).
Hier wird sichtbar, dass Tempus und Modus zusammen einen Bereich kartieren, in dem den Kategorien sowohl zeitliche als auch modale Koordinaten gegeben werden kĂśnnen: Neben Aussagen Ăźber tatsächlich vergangene oder gegenwärtige Zeiten sowie Voraussagen Ăźber die Zukunft â und somit realen Aussagen â stehen nicht-reale Aussagen, die aber auch temporal eingeordnet sind, nämlich Aussagen Ăźber Alternativen zur Vergangenheit, Vermutungen Ăźber die Gegenwart und modal eingefärbte Aussagen Ăźber die potenzielle Zukunft. (Beim Konjunktiv des Deutschen wird zwischen einem sogenannten Konjunktiv Präsens und einem Konjunktiv Präteritum unterschieden, hier liegt der Unterschied aber tatsächlich mehr in verschiedenen modalen Bedeutungen als in einer temporalen Unterscheidung.cite-ref-60[60])
Oftmals wird es aber so sein, dass Sprachen, bei denen Aussagen Ăźber die Zukunft als Irrealis codiert werden â wenn ein Irrealis im vollumfänglichen Sinn vorliegt â, eher als Sprachen ohne Tempussystem zu betrachtet wären. Der Zeitbezug entstĂźnde in solchen Fällen als speziellere Interpretation einer andersartigen, also modalen, Kategorie.cite-ref-61[61]
Literatur
⢠binnick2012Robert I. Binnick (Hrsg.): The Oxford Handbook of Tense and Aspect. Oxford University Press 2012. Online, doi:10.1093/oxfordhb/9780195381979.001.0001
⢠bybeedahlJoan Bybee, Ăsten Dahl: The Creation of Tense and Aspect Systems in the Languages of the World. In: Studies in Language, 13-1, 1989. S. 51â103.
⢠comrie1985Bernard Comrie: Tense. Cambridge University Press, 1985, ISBN 0-521-28138-5.
⢠dahl2000Ăsten Dahl: The grammar of future time reference in European languages. In: Ăsten Dahl (Hrsg.): Tense and Aspect in the Languages of Europe. Mouton de Gruyter, Berlin 2000, ISBN 3-11-015752-7, S. 309â328.
⢠dahl-26veludahl-veluĂsten Dahl, Viveka Velupillai: The Past Tense. In: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (Hrsg.): The World Atlas of Language Structures Online. Chapter 66. Max-Planck-Institut fĂźr Evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. Online, abgerufen am 11. Juni 2022.
⢠dryer-walsMatthew S. Dryer: Position of Tense-Aspect-Affixes. In: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (Hrsg.): The World Atlas of Language Structures Online. Chapter 69. Max-Planck-Institut fßr Evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. Online, abgerufen am 24. Juli 2022.
⢠duden2009Duden. Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009, ISBN 978-3-411-04048-3.
⢠klein1994Wolfgang Klein: Time in language. Routledge, London 1994, ISBN 0-415-10412-2.
⢠klein2009Wolfgang Klein: How Time Is Encoded. In: Wolfgang Klein, Ping Li (Hrsg.): The Expression of Time. Mouton de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-019582-8, S. 39â81.
⢠smith2011Carlota Smith: Tense and Aspect: Time across Languages. In: Claudia Maienborn, Klaus von Heusinger, Paul Portner (Hrsg.): Semantics: An International Handbook of Natural Language Meaning. Band 3 (= HandbĂźcher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 33-3). Walter de Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-025337-5, Kap. 97 = S. 2581â2608.
Weblinks
Wiktionary: Tempus
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Einzelnachweise
cite-note-11. â Comrie (1985), S. 9.
cite-note-22. â Ăsten Dahl, Viveka Velupillai: Chapter Tense and Aspect: General Introduction. In: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (Hrsg.): The World Atlas of Language Structures Online. Max-Planck-Institut fĂźr Evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. Online, abgerufen am 14. August 2022.
cite-note-33. â Thomas E. Payne: Describing Morphosyntax. A Guide for Field Linguists. Cambridge University Press, 1997, ISBN 0-521-58805-7. â Vgl. Kapitel 9.3: Tense / Aspect / Mode (S. 233).
cite-note-44. â Vgl. Bybee & Dahl (1989), S. 51.
cite-note-55. â Vgl. Bybee & Dahl (1989), S. 63â65; Jo-Wang Lin: Tenselessness. In: Binnick (ed.)(2012). Online, doi:10.1093/oxfordhb/9780195381979.013.0023. Siehe dort Abschnitt 2.
cite-note-66. â So in der Dudengrammatik (2009), S. 498f. / Rand-Nr. 710. Diese Analyse wird auch fĂźr didaktische Anwendung befĂźrwortet in: Matthias Granzow-Emden: Deutsche Grammatik verstehen und unterrichten. 3. Auflage. Narr/Francke/Attempto, TĂźbingen 2019. S. 166.
cite-note-77. â John Hewson: Tense. In: Binnick (ed.) (2012). Online, doi:10.1093/oxfordhb/9780195381979.013.0017
cite-note-88. â Dahl & Velupillai (2013): The Past Tense.
cite-note-99. â Ăsten Dahl, Viveka Velupillai: The Future Tense. In: Matthew S. Dryer, Martin Haspelmath (Hrsg.): The World Atlas of Language Structures Online, Chapter 67. Max-Planck-Institut fĂźr Evolutionäre Anthropologie, Leipzig 2013. Online (abgerufen am 24. Juli 2022).
cite-note-1010. â Smith (2011), S. 2591 (in WALS nicht direkt angegeben).
cite-note-1111. â WALS, Karte 69A: Position of tense-aspect affixes.
cite-note-1212. â Dryer: Position of Tense-Aspect-Affixes.
cite-note-1313. â Dryer: Position of Tense-Aspect-Affixes.
cite-note-1414. â Mary Bradshaw: Tone on Verbs in Suma. In: Akinbiyi Akinlabi (ed.): Theoretical Approaches to African Linguistics. Africa World Press, Trenton NJ 1995. Vol.1, S. 255â272. Siehe S. 257.
cite-note-1515. â Dahl (2000), siehe Abschnitt 3.
cite-note-1616. â Dryer: Position of Tense-Aspect-Affixes.
cite-note-1717. â David Adger: Three domains of finiteness: a Minimalist perspective. In: Irina Nikolaeva (ed.): Finiteness: all over the clause. Oxford University Press 2007, S. 23â58. Von dort auch das erste folgende Beispielpaar (= Bsp. (30)).
cite-note-1818. â Gramadach na Gaeilge Kap. 6, siehe unter âConjunctionsâ Abschnitt âConditionalâ. -- Abgerufen am 24. Juli 2022.
cite-note-1919. â Rachel Nordlinger, Louisa Sadler: Nominal Tense in Crosslinguistic Perspective. In: Language, Vol. 80â4 (2004), S. 776â806. Beispiel (73), S. 798.
cite-note-2020. â Nordlinger & Sadler, Beispiel (58), S. 795.
cite-note-2121. â Dahl & Velupillai (2013): The past tense.
cite-note-2222. â Comrie (1985), S. 85.
cite-note-2323. â Comrie (1985), S. 93.
cite-note-2424. â Aus Comrie (1985), S. 94.
cite-note-2525. â Anmerkung: Freie Ăbersetzung; die Belegstelle enthält das uneindeutige englische Verb âwentâ.
cite-note-2626. â Dahl & Velupillai (2013): The past tense, Abschnitt 1, Table 1.
cite-note-2727. â Comrie (1985), S. 90f.
cite-note-2828. â Dudengrammatik (2009), S. 496ff. / Rand-Nr. 706ff.
cite-note-2929. â Hans Reichenbach: Elements of Symbolic Logic. Macmillan Co., New York 1947.
cite-note-3030. â Rainer Bäuerle: Temporale Deixis â temporale Frage. Narr, TĂźbingen 1979.
cite-note-3131. â Welke (2005) zieht diese Unterscheidung ausdrĂźcklich in Zweifel, fĂźhrt sie mit seiner eigenen Unterscheidung von âsubjektiver Situationszeitâ und âobjektiver Situationszeitâ aber im Wesentlichen dann wieder ein. â Klaus Welke: Tempus im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 978-3-11-018394-8. Siehe Kapitel 1.2 und 1.3.
cite-note-3232. â Klein (1994), S. 99.
cite-note-3333. â Ein frĂźhes Beispiel einer intervall-basierten Temporalsemantik findet sich in: David Dowty: Word Meaning and Montague Grammar. Reidel, Dordrecht 1979.
cite-note-3434. â Beispiele nach Klein (1994), S. 22â26
cite-note-3535. â Barbara H. Partee: Some Structural Analogies between Tenses and Pronouns in English. In: Journal of Philosophy. 70, 1973, S. 601â609.
cite-note-3636. â Vgl. Klein (1994), S. 25f.
cite-note-3737. â Beispiel nach Klein (1994), S. 40â45
cite-note-3838. â sharvit2021Yael Sharvit: Sequence of Tense. In: Daniel Gutzmann & al. (eds.): The Wiley Blackwell Companion to Semantics. John Wiley & Sons, 2021, online. doi: 10.1002/9781118788516.sem116.
cite-note-3939. â Smith (2011), S. 2596
cite-note-4040. â In der semantischen Handbuchliteratur (z. B. Sharvit (2021)) wird der Kontrast meist so dargestellt, dass das Präteritum im englischen Nebensatz von der Zeit des Matrixsatzes âgebundenâ wird und sich nicht frei auf eine beliebige Zeit vor jetzt beziehen kann; im Modell der âTopik-Zeitâ nach Klein (1994) tut das Präteritum dies allerdings sowieso nicht. â Das deutsche Präsens wird in der Grammatik von Zifonun & al. aufgrund der Verhältnisse in (b') und anderer Daten als vĂśllig tempuslos gedeutet, siehe Gisela Zifonun et al.: Grammatik der deutschen Sprache. 3 Bände. Walter de Gruyter, Berlin 1997, ISBN 3-11-014752-1. â Kapitel F1 (Band 3): Tempus, hier S. 1692ff. Diese Sichtweise ist aber kontrovers.
cite-note-4141. â Die folgenden beiden Beispiele sind aus Smith (2011), S. 2588, Bsp. (9).
cite-note-4242. â Vgl. auch Robert Binnick: Temporality and aspectuality. = Kap. 42 in: Martin Haspelmath, Ekkehard KĂśnig, Wulf Oesterreicher, Wolfgang Raible (Hrsg.): Language Typology and Language Universals. An International Handbook. ( = HandbĂźcher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (HSK), 20). Walter de Gruyter, Berlin 2001. ISBN 3-11-011423-2. Vol. 1, S. 557â567. â Siehe Abschnitt 2.2.
cite-note-4343. â Comrie (1985), Kapitel 3.1.
cite-note-4444. â Klein (1994), S. 121.
cite-note-4545. â Klein (1994), Kapitel 6.
cite-note-4646. â Vgl. Klein (1994), S. 108
cite-note-4747. â Vgl. Klein (1994), Kapitel 6
cite-note-4848. â Beispiel: âDie Orientierungszeit ist (...) ein âsekundäres deiktisches Zentrum [...] vor der faktischen ĂuĂerungszeit Sâ (ebd.: 103). Diese Festlegung entspricht [einer] sekundären Evaluationszeit.â Zitiert aus Klaus Welke: Tempus im Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2005. S. 311. Der Begriff Orientierungszeit wird auch in der Dudengrammatik (2009) verwendet (S. 498ff), mĂśglicherweise aber bedeutungsgleich mit Betrachtzeit im Sinne dieses Artikels.
cite-note-4949. â JĂźrgen Bohnemeyer: Aspect vs. relative tense: the case reopened. In: Natural Language and Linguistic Theory, Vol. 32-3, 2014, S. 917â954.
cite-note-5050. â Zumindest tentativ so in Klein (1994), Kapitel 6.5.2
cite-note-5151. â Klein (1994), S. 129
cite-note-5252. â Vgl. Comrie (1985), S. 80ff; Bybee & Dahl (1989), S. 55; Dahl & Velupillai: The Past Tense.
cite-note-5353. â Klein (1994), S. 132
cite-note-5454. â Comrie (1985), S. 44.
cite-note-5555. â Dahl (2000), siehe S. 313.
cite-note-5656. â Vgl. auch das englische Beispiel in Bybee & Dahl (1989), S. 93 unten: âThat will be Toddâ (wenn das Telefon klingelt).
cite-note-5757. â Siehe die Aufstellung in Bybee & Dahl (1989), S. 90.
cite-note-5858. â Bybee & Dahl (1989), S. 93
cite-note-5959. â Kilu von Prince, Ana KrajinoviÄ, Manfred Krifka: Irrealis is Real. In: Language, 98-2, 2022, S. 221â249. doi:10.1353/lan.2022.0009
cite-note-6060. â Dudengrammatik (2009) S. 502 / Rand-Nr. 716 sowie S. 516 ff. / Rand-Nr. 748 ff.
cite-note-6161. â Vgl. Comrie (1985), S. 50 ff.